Blaumann statt Anzug oder Kostüm!

Praktische Arbeitserfahrungen in Kleinunternehmen in ganz Europa helfen Beamten, zu begreifen, was der Mittelstand wirklich braucht.
Nicht bezahlte Rechnungen, komplizierte und investitionsfeindliche Steuersysteme, ein starres Arbeitsrecht, das Neueinstellungen und Entlassungen schwierig macht - dies sind nur einige der Probleme von Kleinunternehmen, die versuchen, ihr Fortbestehen zu sichern.
Ziel eines neuen Programms der EU ist es, ihren Beamten hautnahe Erfahrungen in Kleinunternehmen - zu ermöglichen und herauszufinden, was diesen das Leben erleichtern könnte.
Von der Verteidigungswirtschaft bis hin zur Modebranche sollen bis 2009 350 EU-Beamte und Beamtinnen je eine Woche in einem Kleinunternehmen in Europa gearbeitet haben. Die ersten 30 absolvierten Ende 2006 ihren Einsatz in Unternehmen und schicken nun allmählich ihre Berichte.
Die Beamten begleiten wichtige Mitarbeiter im Arbeitsalltag, lernen die Denkweise von Kleinunternehmen kennen und erhalten Einblick darin, was Unternehmen wirklich von der EU erwarten. Das Projekt wird den zuständigen Politikern zeigen, welche Wirkung die in Brüssel beschlossenen Gesetze vor Ort haben. Im Gegenzug können die EU-Beamten den Beschäftigten in den KMU persönlich erklären, was die EU für sie tut. Günter Verheugen, Vizepräsident der EU-Kommission, ging mit gutem Beispiel voran und besuchte einen metallverarbeitenden Betrieb in Brandenburg.
Nach einer Woche in einem kleinen französischen Unternehmen und Treffen mit Geschäftsleuten vor Ort sagte Françoise le Bail, die KMU-Beauftragte der Generaldirektion Unternehmen: „Geschäftsleute wissen oft nicht, was die Kommission tagtäglich für sie tut, doch sie hören zu und interessieren sich für unsere Erläuterungen."
Eine genaue Beschreibung der bestehenden Finanzierungsmöglichkeiten für Unternehmen, die Förderung von „Business Angels" für Unternehmensneugründungen, Netze zur gemeinsamen Nutzung von Ressourcen – diese und andere Ideen hat das Programm bereits jetzt hervorgebracht.
„Alle, mit denen wir gesprochen haben, und die über unsere Innovationspolitik Bescheid wissen, finden sie zu kompliziert," sagte Frau le Bail und fügte hinzu: „Gleiches gilt für die europäischen Forschungsmittel. Wir brauchen einfachere Lösungen."
Der nächste Schritt wird darin bestehen, neue Gastunternehmen zu finden und sie mit Beamten zusammenzubringen. Bis jetzt haben sich 170 Unternehmen gemeldet, und 60 Beamte wurden ausgewählt. Sie werden zwischen Mai und Dezember eine Woche lang in diesen Unternehmen verbringen.
Schauen Sie sich dieses Programm genauer an.